A story of

Ich möchte dir eine Geschichte erzählen…

Eine Geschichte von Veränderung und Stillstand. Eine Geschichte, wie sie jedem von uns passieren hätte können. Eine Geschichte, in der du vielleicht manches von dir wiedererkennen wirst. Es ist meine Geschichte der Veränderung.

Ich war jung, ambitioniert, mit großen Zielen, und hatte eine Leichtigkeit in allem was ich tat. Und zugleich wollte ich mir und vor allem vielen anderen beweisen, dass ich alles erreichen konnte, wenn ich nur wollte. Mit dieser Haltung tauchte ich ein in die große, politische Corporate Welt. Ich lernte, fiel hin, stand auf und lief weiter. Hatte innerhalb kürzester Zeit wesentlich mehr Einkommen, als alle anderen meiner Freunde, bekam Anerkennung und hatte große Chancen vor mir liegen. Doch wie alles, hatte dies seinen Preis, den ich nur schleichend erkannte. War so mit dem Festhalten an meinen großen Zielen und der damit einhergehenden Veränderung im Außen beschäftigt, dass ich nicht wahrnehmen wollte, wie sich auch in mir langsam etwas veränderte.

„Du hast das Leuchten in deinen Augen verloren“, sagte zu der Zeit ein lieber Freund zu mir. Ein Satz, den ich erst wesentlich später verstand.

Was schleichend kam, fand seinen Höhepunkt, als ich morgens einfach nur regungslos da lag – unfähig aufzustehen, mit einer Leere in mir, den Boden völlig unter den Füßen verloren. Mein Außen und Innen, unterschiedlich wie Tag und Nacht. Nichts passte mehr zusammen. Kognitive Dissonanz nennt sich dieses Phänomen, wie ich später lernen durfte.

Das Ziel, dem ich so lange nachgelaufen bin, alles was ich dafür tat, erschien mir einfach nur unwichtig, sinnlos und wertlos.

Ich fühlte mich so verloren, hilflos und ohnmächtig. Zu diesem Zeitpunkt war ich gerade mal 26. In meinem Umfeld wusste kaum einer, wie es mir tatsächlich ging. Manche konnten es erahnen – doch darüber zu sprechen, ein No-Go im beruflichen und damals auch im privaten Umfeld für mich.

Stattdessen tat ich das, was ich gut konnte – eine Maske aufsetzen und den Schein nach Außen wahren. Ich kämpfte mich zurück, wechselte das Projekt, machte wieder mehr Sport, begann mit Yoga. Fühlte mich nach einer Weile wieder besser. Die neuen beruflichen Herausforderungen hielten meinen Kopf auf Trab. Doch was leider blieb waren die nächtlichen Panikattacken und eine chronische Krankheit.

So sehr ich mich auch darüber definierte, was ich alles schon erreicht hatte, das Gefühl der Leere kam zurück. Manchmal ganz leise, an anderen Tagen ganz laut.

Eine innere Stimme, die mich immer wieder fragte:

„Warum tust du, was du tust – welchen Sinn hat es?“
„Was möchtest du in dieser Welt hinterlassen?“
„Welche Geschichte möchtest du erzählen, wenn du am Ende deines Lebens zurückblickst?“

Ich hatte diese innere Stimme so lange ignoriert, bis es mir gesundheitlich den Boden unter den Füßen weggezogen hatte. Dies war der Zeitpunkt, wo ich mich das erste Mal ehrlich fragte – Wofür all das?!

Es dauerte weitere zwei Jahre, bis dass ich mich dazu entschloss meinen Job zu kündigen – den goldenen Käfig zu verlassen.

Dieser Schritt der äußeren Veränderung in die Selbstständigkeit war natürlich nicht die große Rettung. Denn das Umfeld ist nur ein Teil –Denken, Verhalten, Handlungen, all das sollte im Einklang sein, wie ich im Laufe der Zeit lernte. 

Die letzten zwei Jahre waren für mich ein Weg zurück zu mir, zu einem Leben und Arbeiten, das sich für mich richtig und sinnvoll anfühlt, und vor allem ein Weg der schrittweisen Veränderung. Ich hörte auf an festen Vorstellungen und Zielen festzuhalten, sondern dem Weg mehr Beachtung zu schenken. Auf diesem Weg meinen Werten, meiner Intuition und meinem inneren Kompass treu zu bleiben, und dies in Einklang mit dem rationalen Teil in mir zu bringen. Und somit die Veränderung – den ständigen Wandel – zu meinem täglichen Begleiter zu machen. 

Klar bin ich in einige Sackgassen gelaufen, habe Umwege gemacht und musste am Weg immer mal anhalten, um wieder etwas klarer zu sehen. Ich wusste nicht im Detail, wo es mich hinführt, habe aber darauf vertraut, dass sich immer wieder Wege auftun, wenn ich mir nur selbst treu bleibe.

In meiner Arbeit mit Menschen, Teams und Organisationen sehe ich so häufig Veränderungsvorhaben, die sich toll anhören, am Papier schick aussehen und das Unternehmen rein rational gedacht voranbringen würden – und doch scheitern am Ende ca. zwei Drittel von ihnen. Wenn Mitarbeiter von Veränderung schon hören, denken sie an einen anstrengenden, nervigen und ressourcenintensiven Weg. Und zugleich ist dieser so anstrengende Weg der Schlüssel zum Erfolg. Nämlich genau dann, wenn wir uns erlauben, mal genauer hinzusehen. Uns zu fragen, was diese Menschen, die die Veränderung mittragen sollen, eigentlich antreibt, welchen Sinn sie in ihrer Arbeit sehen und welche Werte sie in sich tragen. Eine Balance zu schaffen zwischen den rationalen und jenen anderen Faktoren, die nicht mit Zahlen, Daten und Fakten erklärbar sind.

Ebenso kannst du dich für dich selbst fragen, wenn du etwas verändern möchtest, was treibt dich an? Vielleicht liegt hier der Schlüssel verborgen, warum dir die gewollte Veränderung so schwerfällt. Sieh den Weg der Veränderung als Chance. Nimm dir die Zeit immer mal wieder stehen zu bleiben und hinzusehen. Stell dir vor du hast ein Glas Wasser mit Sand vor dir stehen, das ständig in Bewegung ist und umgerührt wird. Ab und an braucht es die Ruhe, um wieder klar zu sehen, was sich in diesem Glas sonst noch befindet.

Warum ich dir diese Geschichte erzähle?!

Geschichten wie diese haben in der klassischen Business Welt kaum Platz – obwohl sie tagtäglich so ähnlich passieren. Denn in Unternehmen arbeiten Menschen, wie du und ich. Menschen, denen es auch mal den Boden unter den Füßen wegzieht, die nicht mehr wissen, wo sie eigentlich stehen und wo sie hinwollen. Menschen, die nach Veränderung suchen, aber nicht wissen, wo sie lang gehen sollen.

Menschen, von denen aber jeden Tag erwartet wird, wie Maschinen einfach nur zu funktionieren. Leistung zu bringen. Rational zu agieren. Doch so funktionieren wir nicht. Und darum funktioniert auch Veränderung nicht, wenn wir diesen wichtigen emotionalen Teil von uns versuchen auszuklammern und stattdessen alles mit Logik erklären wollen. 

Ich bin der festen Überzeugung, dass wir hier etwas ändern müssen – in der Art wie wir arbeiten, wie wir darüber denken und versuchen Veränderungen voranzutreiben. 

Dies ist meine Geschichte – was ist deine?!